50 Jahre nach ihrem Tod: Don Bosco erinnert an Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo

Pressemitteilung Don Bosco

München/Bamberg/Meruri, im Juli 2026 – Am 15. Juli jährt sich der Todestag des Salesianer Don Boscos Pater Rudolf Lunkenbein und seines Freundes Simão Bororo zum 50. Mal. Mit zahlreichen Aktionen über das Jahr hinweg erinnert Don Bosco in Deutschland an das Leben und Wirken der beiden Glaubenszeugen. Im Mittelpunkt stehen dabei auch Begegnungen zwischen Deutschland und Brasilien: Seit dem vergangenen Wochenende ist eine Delegation aus Meruri im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso zu Gast in Deutschland. Im Anschluss reist eine deutsche Delegation nach Brasilien, um am 15. Juli in Meruri an den Gedenkfeierlichkeiten teilzunehmen.
Die achtköpfige Delegation aus Meruri – darunter Bororo und Salesianer – besucht auf Einladung der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos und des Erzbistums Bamberg die Kindheits- und Ausbildungsorte Rudolf Lunkenbeins in Döringstadt, Bamberg, Buxheim, Benediktbeuern und München. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie der Austausch über die gemeinsame Geschichte und die heutige Wirklichkeit der Don-Bosco-Arbeit. Es ist das dritte Mal, dass Vertreter der Bororo nach Europa kommen – und mit sechs Bororo ist es die größte Delegation in der Geschichte dieser Begegnungen.
Nach dem Besuch in Deutschland reisen die Gäste gemeinsam mit einer 15-köpfigen deutschen Delegation nach Brasilien zurück. Zu ihr gehören unter anderem Angehörige der Familie Lunkenbein, Vertreter des Erzbistums Bamberg, der Ordensgemeinschaft sowie Provinzial P. Reinhard Gesing. In Meruri, dem Wirkungsort von Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo, nehmen sie am 15. Juli an den Feierlichkeiten zum 50. Todestag teil.
Das Erinnerungsjahr umfasst zahlreiche weitere Veranstaltungen. Beim Katholikentag in Würzburg erinnerte Don Bosco mit Gottesdiensten, kreativen Mitmachaktionen und Begegnungsangeboten an Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo. Dort feierte auch eine rund einstündige Dokumentation über ihr Leben und Wirken Premiere. Der Film entstand im Februar während einer Recherchereise einer deutschen Gruppe unter Leitung von Pater Johannes Kaufmann und Produzent René Da Rold nach Brasilien. Er verbindet historische Recherche mit Begegnungen in der Bororo-Gemeinschaft und macht die Bedeutung der beiden Märtyrer für kirchliches Engagement, den Einsatz für indigene Rechte und den interkulturellen Dialog sichtbar. Zugleich zeigt die Dokumentation, warum ihr Vermächtnis bis heute aktuell ist: Sie erinnert daran, dass echter Dialog nur durch gegenseitigen Respekt, gemeinsames Lernen und den Einsatz für die Würde jedes Menschen gelingt.
Auch in Döringstadt, der Heimat Rudolf Lunkenbeins, wurde an die beiden erinnert. Beim Provinzgemeinschaftstag der Salesianer Don Boscos kamen Ordensmitglieder mit der Familie Lunkenbein zusammen, sahen die neue Dokumentation und sprachen über die heutige Bedeutung dieses Zeugnisses. Zeitzeugen, die Rudolf Lunkenbein persönlich kannten, bereicherten den Austausch.
Für Provinzial P. Reinhard Gesing ist das Gedenkjahr ein Auftrag für die Gegenwart. „P. Lunkenbein wurde ermordet, weil er sich im brasilianischen Mato Grosso mit aller Kraft für die Rechte des indigenen Volkes der Bororo eingesetzt hat. Sein Freund Simão wurde getötet, als er P. Lunkenbein zu schützen suchte. Beide wussten, dass ihr Leben in Gefahr war. Beide nahmen die Bedrohung auf sich, um die Existenz des Volkes der Bororo zu sichern.“ Ihr gemeinsames Zeugnis wirke bis heute weit über Brasilien hinaus. „P. Lunkenbein war kein Abenteurer; er war kein Fantast“, betont Gesing. Vielmehr habe er aus seinem tiefen Glauben heraus erkannt, dass die christliche Botschaft untrennbar mit dem Einsatz für die Würde und die Rechte der Menschen verbunden sei. Deshalb sei Lunkenbein zu einem Anwalt der Bororo geworden. „Seinen Einsatz für die Gerechtigkeit bezahlte er mit seinem Leben und darf daher mit Fug und Recht als ‚Märtyrer der Gerechtigkeit‘ gesehen werden.“
Die Begegnungen zwischen den Delegationen aus Brasilien und Deutschland machten sichtbar, dass dieses Vermächtnis Menschen über Kontinente hinweg verbinde und zu einem entschiedenen Einsatz für eine gerechtere und friedlichere Welt ermutige.
Hintergrund
Die Bororo sind ein indigenes Volk im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Über Generationen hinweg waren sie durch Landraub, Vertreibung und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen bedroht. Bis heute kämpfen sie um den Erhalt ihrer Kultur, ihrer Sprache und ihrer angestammten Territorien. Seit vielen Jahrzehnten begleiten die Salesianer Don Boscos die Bororo in Meruri und engagieren sich gemeinsam mit ihnen für Bildung, kulturelle Identität und die Wahrung ihrer Rechte.
Pater Rudolf Lunkenbein (1939–1976) wurde am 1. Juli 1939 in Döringstadt bei Bamberg geboren. Nach seiner Ausbildung bei den Salesianern Don Boscos und der Priesterweihe wurde er 1969 als Missionar nach Brasilien entsandt. In der Missionsstation Meruri lebte er eng mit den Bororo zusammen, lernte ihre Sprache und setzte sich entschlossen für ihre Rechte und den Erhalt ihrer Kultur ein. Sein Missionsverständnis war für die damalige Zeit außergewöhnlich: Er teilte das Leben der Menschen, stellte sich an ihre Seite und bezog Elemente ihrer Kultur in das kirchliche Leben ein. So wurde er zu einem wichtigen Fürsprecher der Bororo und ihrer Rechte. Sein Leben steht bis heute für eine Kirche, die Menschen nicht bevormundet, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnet, kulturelle Vielfalt als Bereicherung versteht und sich konsequent für Gerechtigkeit und die Rechte Benachteiligter einsetzt.
Simão Bororo (1937–1976) war Angehöriger des Volkes der Bororo, enger Freund, Vertrauter und Weggefährte Rudolf Lunkenbeins.
Gemeinsam setzten sie sich gegen die Enteignung des indigenen Landes ein. Am 15. Juli 1976 wurden beide auf der Missionsstation Meruri erschossen. Rudolf Lunkenbein wurde ermordet, weil er sich schützend vor die Bororo stellte. Simão Bororo starb, als er versuchte, seinen Freund zu verteidigen. Beide wussten um die Gefahr und nahmen sie auf sich, um die Existenz und die Rechte der Bororo zu sichern. Bis heute gelten sie als Glaubenszeugen und Märtyrer der Gerechtigkeit. Für beide läuft derzeit ein Seligsprechungsverfahren.
Weitere Informationen zum Gedenkjahr, den Veranstaltungen sowie zu Leben und Wirken von Pater Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo finden sich auf der Themenseite von Don Bosco unter www.donbosco.de/lunkenbein.
Über Don Bosco
Don Bosco setzt sich weltweit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ein – besonders für jene, die benachteiligt sind oder Unterstützung auf ihrem Weg ins Leben brauchen. In Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Ausbildungsstätten, Wohneinrichtungen, Pfarrgemeinden und sozialen Projekten begleitet Don Bosco junge Menschen dabei, ihre Fähigkeiten zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.
Getragen wird die Arbeit von den Salesianern Don Boscos, den Don-Bosco-Schwestern sowie Mitarbeitenden, Freiwilligen, Partnerinnen und Partnern. Gemeinsam engagieren sie sich in mehr als 130 Ländern für Bildung, Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Die Arbeit wurzelt im Geist des heiligen Johannes Bosco (1815–1888), Priester, Erzieher und Ordensgründer. Seine Pädagogik setzt auf Beziehung, Vertrauen und Hoffnung – und auf den Glauben an das Gute in jedem jungen Menschen.