Brasilianische Delegation zu Gast im Erzbistum Bamberg

von Samstag, 4. Juli 2026, bis Sonntag, 12. Juli 2026
Ankunftstag: Samstag, 4. Juli 2026
Flughafen
Bistumshaus St. Otto, Bamberg
Sonntag, 5. Juli 2026
Kirchweihgottesdienst und Kirchweihbesuch St. Otto, Bamberg
Ausflug in die Fränkische Schweiz nach Gößweinstein
Zirkusshow "Die verrückte Weltreise" im Don Bosco Zirkuszelt, Bamberg
Montag, 6. Juli 2026
Begegnung mit Erzbischof Herwig Gössl im Bistumshaus St. Otto
Dienstag, 7. Juli 2026
Gelebte Erinnerung in Oberfranken
Bororo aus Brasilien besuchen die Heimat von Pater Rudolf Lunkenbein
Ebensfeld. Ein gewöhnlicher Dienstagvormittag an der Pater-Lunkenbein-Schule in Ebensfeld – zumindest auf den ersten Blick. Die Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Klassen genießen die große Pause auf dem Schulhof, lachen, spielen und toben bei sommerlichen Temperaturen. Doch zwischen ihnen fallen drei junge Gäste sofort ins Auge: barfuß, mit Federschmuck, Schmuck aus Tierkrallen und Muscheln sowie traditioneller Gesichtsbemalung.
Die drei stammen aus Brasilien und gehören zum indigenen Volk der Bororo. Gemeinsam mit weiteren Vertretern ihres Volkes bereisen sie derzeit die Region – auf den Spuren von Pater Rudolf Lunkenbein. Der gebürtige Döringstädter setzte sich in den 1960er- und 1970er-Jahren in Brasilien unermüdlich für die Rechte der Bororo ein. 1976 wurde er gemeinsam mit seinem Freund Simão Bororo bei einem Landkonflikt getötet. Bis heute gilt er vielen als Vorbild für seinen Einsatz für Gerechtigkeit und Menschlichkeit.
Zwischen dem Erzbistum Bamberg und der Missionsstation Meruri in Brasilien besteht seit Jahrzehnten eine enge Verbindung. Immer wieder reisten Angehörige der Familie Lunkenbein nach Brasilien, um die Erinnerung an den Missionar lebendig zu halten. Für die Bororo ist der Besuch in Deutschland dagegen eine Premiere: Erstmals ist eine größere Delegation in die Heimat ihres einstigen Weggefährten gekommen.
Erinnerung lebendig halten
Ein passender Auftakt der Reise ist deshalb die nach Pater Lunkenbein benannte Grundschule in Ebensfeld. Schulleiterin Ursula Hoydem empfängt die Gäste herzlich und führt sie zunächst durch eine besondere Ausstellung. Gemeinsam mit ihren Lehrkräften haben die Kinder das Leben und Wirken des Missionars auf Schautafeln dokumentiert. Gleichzeitig beschäftigten sie sich mit dem Regenwald und der Frage, warum dessen Schutz heute wichtiger denn je ist.
Dass Pater Lunkenbein an der Schule bis heute präsent ist, zeigt sich nicht nur in der Ausstellung. Alle vier Jahre veranstaltet die Schule ein großes Pater-Lunkenbein-Fest, und auch im Unterricht wird sein Wirken regelmäßig aufgegriffen.
Ein Höhepunkt des Besuchs ist die Aufführung eines Theaterstücks durch die Theater-AG unter der Leitung der katholischen Religionslehrerin Daniela Haas. Die Schülerinnen und Schüler erzählen darin die Lebensgeschichte des Missionars. Damit die Gäste aus Brasilien der Handlung folgen können, erhalten sie den deutschen Text in portugiesischer Übersetzung.
Theater und Tanz verbinden Kulturen
Nach langem Applaus revanchieren sich die Bororo auf ihre Weise. Drei junge Delegationsmitglieder betreten die Bühne und führen einen traditionellen Tanz in ihrer ursprünglichen Kleidung auf. Johannes Kaufmann von den Salesianern Don Boscos in Würzburg, der die Reise koordiniert, erklärt den Zuschauern, dass diese Gewänder bis heute getragen werden – nicht nur als Ausdruck indigener Kultur, sondern auch bei wichtigen christlichen Festen oder Beerdigungen. Die Verbindung zwischen den eigenen Traditionen und dem christlichen Glauben sei für die Bororo selbstverständlich.
Begleitet wird die Delegation von Christine Hetterich, Pastoralreferentin im Ruhestand aus dem Bistum Würzburg, die lange Jahre in Brasilien gelebt hat. Als Übersetzerin ermöglicht sie den direkten Austausch zwischen den Gästen aus Brasilien und ihren Gastgebern.
Nach dem Aufenthalt in der Grundschule führte der Weg der Delegation weiter nach Vierzehnheiligen. Dort erhielt die Gruppe eine Führung durch die Basilika, anschließend ging es hinauf auf den Staffelberg. Am Abend versammelten sich schließlich zahlreiche Gläubige in Döringstadt zu einem Gedenkgottesdienst für Pater Rudolf Lunkenbein.
Gedenken in Döringstadt
Den Gottesdienst leitete Martin Emge, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbistum Bamberg, der sich intensiv mit der Lebensgeschichte Lunkenbeins beschäftigt hatte. Mit ihm zelebrierten unter anderem der leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Gottesgarten, Walter Ries, Pater Lijoy Jacob O. Carm. als Seelsorger der Pfarrei Ebensfeld, Pfarrvikar Markus Grasser, Dekan Lars Rebhan, Johannes Kaufmann von den Salesianern Don Bosco sowie ein brasilianischer Don-Bosco-Priester aus Meruri.
In seiner Predigt machte Emge deutlich, dass das Vermächtnis Pater Lunkenbeins bis heute fortlebt. „Auch wenn die Jüngeren ihn nicht mehr persönlich kennengelernt haben, spiegelt sich sein Wirken in den Jungen wider“, sagte er. Tatsächlich gehörten zwei der jungen Bororo-Besucher inzwischen selbst den Salesianern Don Boscos an – ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Saat, die Lunkenbein einst gelegt hatte, weiter wächst.
Heinrichsfest
Zugleich erinnerte Emge an das bevorstehende Heinrichsfest, bei dem ebenfalls an Rudolf Lunkenbein und Simão Bororo erinnert wird. Für beide war 2018 in Brasilien der diözesane Seligsprechungsprozess eröffnet worden. Die Fürbitten wurden auf Deutsch und Portugiesisch vorgetragen – ein weiteres Symbol für die enge Verbundenheit beider Länder.
Doch der Austausch endet nicht mit der Rückreise der brasilianischen Gäste. Bereits am Sonntag fliegt die Delegation zurück nach Südamerika. Gleichzeitig macht sich eine Gruppe aus Deutschland auf den Weg nach Brasilien. Mit dabei sind sechs Mitglieder der Familie Lunkenbein, Religionslehrerin Daniela Haas von der Pater-Lunkenbein-Schule sowie eine Gymnasiastin aus Bamberg.
„Lassen wir uns anstecken von diesen beiden Märtyrern“, gibt Martin Emge der Gemeinde zum Abschluss des Gottesdienstes mit auf den Weg – ein Appell, der weit über diesen Tag hinausreicht.
von Svenja Lange