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Pater Lunkenbeins Vermächtnis lebt weiter

Referent Martin Emge (rechts) und Pater Lijoy Jacob (Dritter von rechts) gemeinsam mit Angehörigen der Familie Lunkenbein nach dem Vortrag im Gemeinschaftshaus Döringstadt. Mit auf dem Bild sind unter anderem Pater Lunkenbeins Schwester Hildegard Meixner (silberne Bluse) sowie mehrere Neffen, Großnichten und Großneffen des Döringstädter Missionars.
Vortrag von Domkapitular Emge in Döringstadt über den Missionar und Märtyrer
Datum:
Veröffentlicht: 8.6.26
Von:
HA Seelsorge

Bild: Referent Martin Emge (rechts) und Pater Lijoy Jacob (Dritter von rechts) gemeinsam mit Angehörigen der Familie Lunkenbein nach dem Vortrag im Gemeinschaftshaus Döringstadt. Mit auf dem Bild sind unter anderem Pater Lunkenbeins Schwester Hildegard Meixner (silberne Bluse) sowie mehrere Neffen, Großnichten und Großneffen des Döringstädter Missionars.

Döringstadt. Auf großes Interesse stieß am Montagabend der Vortrag von Domkapitular Martin Emge im Gemeinschaftshaus Döringstadt. Rund 110 Besucherinnen und Besucher füllten den Saal, um mehr über Leben, Wirken und Vermächtnis des aus Döringstadt stammenden Missionars Pater Rudolf Lunkenbein zu erfahren.

Zu Beginn seines Vortrags bekannte Emge, dass auch er selbst bis vor Kurzem nur wenig über den Salesianerpater gewusst habe. Erst in diesem Jahr sei er intensiver auf dessen Lebensgeschichte aufmerksam geworden. Hintergrund ist das Bistumsmotto für das Jahr 2026 „Du bewegst die Welt“, das sich an der Person Pater Lunkenbeins orientiert. Auch Erzbischof Herwig Gössl sei von dessen Lebenszeugnis tief beeindruckt. „Er ist einer, den man verehren sollte“, zitierte Emge den Erzbischof. Bereits beim Neujahrsempfang der Erzdiözese sei auf das Wirken Lunkenbeins und den bevorstehenden 50. Jahrestag seines Todes hingewiesen worden. Seit 2018 läuft zudem ein Seligsprechungsprozess, dessen Ausgang Emge optimistisch beurteilt.

Der Weg von Döringstadt nach Brasilien

Anhand zahlreicher Fotos zeichnete der Referent den Lebensweg des Döringstädters nach. Rudolf Lunkenbein wurde am 1. April 1939 in Döringstadt geboren. Bereits als Schüler faszinierten ihn Berichte über Missionare in den „Salesianischen Nachrichten“. Durch eine Lebensbeschreibung des Ordensgründers Don Bosco reifte in ihm der Entschluss, Salesianerpriester zu werden. Obwohl die finanziellen Möglichkeiten der Familie zunächst nicht ausreichten, öffnete sich für den jungen Rudolf schließlich ein Weg zu den Salesianern. Mit 14 Jahren verließ er sein Elternhaus und begann seine Ausbildung. Von 1952 bis 1958 besuchte er das Gymnasium der Salesianer in Buxheim bei Memmingen. Im Oktober 1958 brach er nach Brasilien auf, wo er sein Noviziat absolvierte.

Bis zu seinem gewaltvollen Tod mit Mitte 30 wirkte Lunkenbein anschließend im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Dort setzte er sich insbesondere für die indigene Volksgruppe der Bororo ein. Diese standen damals unter starkem Druck durch Großgrundbesitzer, die immer größere Flächen für Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung beanspruchten. Die Vertreibung der Indigenen und die Zerstörung des Regenwaldes schritten voran. Emge betonte, dass Lunkenbein schon in den 1960er Jahren die Bedeutung des Regenwaldes und indigener Schutzgebiete für den Erhalt der Umwelt erkannt habe. Sein Einsatz für die Bororo sei daher zugleich aktiver Umwelt- und Naturschutz gewesen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Unter seinem Primizspruch „Ich bin gekommen, um zu dienen“ stellte Lunkenbein stets die Frage in den Mittelpunkt, wie er den Bororo eine nachhaltige Lebensgrundlage schaffen könne. Zunächst sorgte er für die grundlegende Versorgung der Menschen. Mithilfe einer gebrauchten Turbine wurde ein Dorf elektrifiziert. Später entstand eine Mühle zur Herstellung von Maniokmehl, wodurch regelmäßige Einnahmen erzielt werden konnten. Auch der Verkauf von Kunsthandwerk und Schmuck trug zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit der Gemeinschaft bei.

Besonders wichtig war Martin Emge die Einordnung von Lunkenbeins Missionsverständnis. Dieser habe einen „Missionar neuen Typs“ verkörpert. Anders als frühere Formen der Missionierung, die oftmals europäische Vorstellungen auf andere Kulturen übertragen wollten, habe Lunkenbein die Menschen und ihre Kultur respektiert. In der Liturgie verband er christliche Inhalte mit Traditionen der Bororo. Seine Überzeugung lautete: Mission darf Menschen nicht vereinnahmen, sondern muss ihnen dienen. Damit habe er das Missionsverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils beispielhaft gelebt. Als Seelsorger, Anwalt, Katechet, Landwirt, Kulturschützer und Organisator habe er die ganzheitliche Verbindung von Verkündigung und sozialem Engagement verkörpert.

Ein Leben in Gefahr

Dass sein Einsatz nicht ungefährlich war, wusste Lunkenbein selbst. Großgrundbesitzer lehnten die Anerkennung indigener Landrechte entschieden ab. Während seines letzten Heimaturlaubs soll er seiner Mutter gesagt haben: „Es gibt doch nichts Schöneres, als für den Herrgott zu sterben. Das wäre mein Traum.“ Seine Schwester Hildegard Lunkenbein, die ebenso wie weitere Familienmitglieder am Vortrag teilnahm, erinnerte sich noch an diese Zeit.

Am 15. Juli 1976 kam es schließlich zur Tragödie. Auf der Missionsstation Meruri drangen etwa 40 weiße Siedler ein, um gegen Vermessungsarbeiten zugunsten der Bororo zu protestieren. Eine Auseinandersetzung eskalierte, Schüsse fielen. Pater Rudolf Lunkenbein und der Bororo Simao, der ihn verteidigen wollte, wurden tödlich getroffen.

Sein Vermächtnis lebt weiter

Bis heute ist das Andenken an beide in Brasilien lebendig. Ihre gemeinsame Grabstätte in Meruri ist jedes Jahr Ziel großer Gedenkfeiern. Viele Bororo tragen noch heute T-Shirts mit dem Bild des Missionars. Zahlreiche Angehörige des Volkes entschieden sich später selbst für den Priesterberuf. Die Landrechte der Bororo sind inzwischen gesichert, die Grenzen ihrer Gebiete festgelegt. Für Emge steht deshalb fest: Der Einsatz und das Opfer Pater Lunkenbeins waren nicht vergebens.

Regelmäßig besuchen Delegationen aus Deutschland die Bororo in Brasilien. Auch in diesem Jahr werden mehrere Familienangehörige Lunkenbeins, die Religionslehrerin der Pater-Lunkenbein-Schule sowie zwei Schülerinnen die Reise antreten.

Im Rahmen des Themenjahres „Du bewegst die Welt“ läuft derzeit zudem ein Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler in der Erzdiözese Bamberg: Kinder und Jugendliche sind aufgerufen, das Leben Pater Lunkenbeins kreativ darzustellen – etwa durch Gedichte, Theaterstücke oder andere Projekte. Die besten Beiträge werden beim Heinrichsfest im Juli 2026 ausgezeichnet.

Anlässlich des 50. Todestages von Pater Rudolf Lunkenbein finden in Döringstadt weitere Veranstaltungen statt. Am 7. Juli ist ein Gedenkgottesdienst geplant. Im Oktober wird ein Abschlussgottesdienst gefeiert, an dem auch Erzbischof Herwig Gössl teilnehmen wird.

Wer sich näher mit Leben und Wirken des Döringstädter Missionars beschäftigen möchte, findet umfangreiche Informationen und Materialien auf der Internetseite Du bewegst die Welt.

von Svenja Lange